>>> Erinnerungen an die Tagung 2017 in Leipzig <<<

Es kommt die Zeit, da werde ich meinen Geist ausgießen über alle Menschen. (Joel 3,1, Losung des Abschiedstags)

 

Leipzig - eine einladende Stadt in Bewegung! Das war der Eindruck von dieser Metropole, die von der Großstädtekonferenz der EKD im Spätsommer 2017 besucht wurde. Als ein „hochinteressanter Lernort“ mit „seismographischer Funktion für kirchliches Arbeiten in säkularem Kontext“ wurde Leipzig in der Einladung von OKR Inken Richter-Rethwisch vorgestellt.

Aus mehr als 26 Großstädten von Kiel bis Wien, von Ludwigshafen bis Berlin haben Inhaberinnen und Inhaber leitender geistlicher Ämter an der Konferenz teilgenommen.

Im Einzelnen:
Augsburg, Berlin, Bochum, Braunschweig, Bremen, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hanau, Hannover, Kassel, Karlsruhe, Kiel, Köln, Leipzig, Ludwigshafen, Mainz, Mannheim, München, Münster, Nürnberg, Oldenburg, Stuttgart, Wien, Wiesbaden

Bedauerlich war, dass die für die Konferenz zuständige Oberkirchenrätin, OKR Inken Richter-Rethwisch, nicht mehr dabei sein konnte. Sie hat im Sommer 2017 eine neue Stelle angetreten; eine Nachfolge war zur Zeit der Konferenz noch nicht erkennbar. In der Vorbereitung war sie noch dankenswerterweise maßgeblich beteiligt zusammen mit dem Stadtsuperintendenten aus Leipzig, Martin Henker, dem Stadtdekan und Konferenzsprecher Dekan Jürgen Renner aus Kassel sowie dem Schriftführer, Dekan i. R. Otto Vogel aus Karlsruhe, kräftig unterstützt von Pfr. Frank Martin Schmidt aus Leipzig.

Volkskirche - oder was?stand als Überschrift etwas leicht hingeworfen in der Einladung. Eine solche Konferenz kann nicht die Realität von Kirche und Stadt umfassend in den Blick nehmen, sondern nur einige Ausschnitte, die besonders im Fokus stehen. Das Programm versuchte eine Mischung von religionssoziologischer-theologischer Sicht auf die Stadt mit dem Kennenlernen interessanter Praxisprojekte zu verbinden. Freilich: Von Anfang an ließ aufmerken, dass die Kirchenmitglieder zahlenmäßig keine sehr dominante Gruppe in Leipzig sind (knapp11,5%), aber dass es scheint, dass sie präsent sind und beachtet werden. So versuchte die Konferenz den Herausforderungen einer Großstadtkirche nachzugehen, die langjährigen Einflüssen eines sich atheistisch verstehenden Staates ausgesetzt war, einer Stadt, die seit ca. 10 Jahren wieder eine Zuzugsregion ist (nach herbem Einwohnerückgang nach der „Wende“ und dem Verlust von zahlreichen Arbeitsplätzen und Wirtschaftsunternehmen, s. u.) und in der ein Strukturwandel große Lebendigkeit schafft, aber auch enorme Herausforderungen, gerade auch an die Kirchen stellt.

Übernachtungsort war das Hotel Michaelis; was ursprünglich angedacht war, konnte nicht realisiert werden, nämlich die Unterkunft in „Philippus Leipzig“ (s. u. Projektbesuche) zu nehmen, dem ersten Integrationshotel der Stadt. Es war zum Termin der Konferenz nicht fertig geworden. Hotel Michaelis

Das Programm im Überblick:

DIE VORTRÄGE

1
„Kirche, Religion und Religiosität auf dem Hintergrund von Säkularisierung und Individualisierung“
Alexander Yendell (Uni Leipzig)
MO, 18.09.2017

2
„Kirche in Leipzig“

Superintendent Martin Henker
MO, 18.09.2017

3
Empfang im Rathaus
Oberbürgermeister der Stadt Leipzig, Burkhard Jung
MO, 18.09.2017

4
„Herausforderungen der Stadtplanung in Leipzig bei der Umsteuerung vom Rückbau zum Ausbau“
Stefan Heinig/ Stadt Leipzig, Stadtentwicklungsplanung
DI, 19.09.2017

5
„Kirche in Leipzig“

Superintendent Martin Henker
MO, 18.09.201 

 

 

 

BESUCHE, EMPFÄNGE, GOTTESDIENSTE, AUSFLÜGE

 

Projektbesuche: DI, 19.09.2017

* Integrationsprojekt Philippus, Projektleiter Wolfgang Menz

Philippus

* Stadtteilprojekt Dresdner59, Projektleiterin Johanna Pahl

Dresdner59

* Bildungscampus forum thomanum, Geschäftsführer Rolf Ahrendt

forum

* Universitätskirche Pauli, 1. Universitätsprediger Prof. Zimmerling

St. Pauli

* Andreaskirchgemeinde/ Messehalle14, Pfarrer Thomas Piehler

Messehalle14

 

 

Empfänge

Landeskirche, Landesbischof Carsten Rentzing; SO, 17.09.2017 mit Gästen aus Stadtökumene und Stadtkirchen aus Leipzig

Bischof

OB Burkhard Jung, Rathaus MO, 18.09.2017

OB

 

 

Gottesdienste

* Thomaskirche SO, 17.09.2017

Thomaskirche

* Propsteikirche St. Trinitatis(kath.) MO, 18.09.2017

Trinitatis

* Nikolaikirche(Friedensgebet) MO, 18.09.2017

Nikolai

* Baumwollspinnerei DI, 19.09.2017

>>> Baumwollspinnerei

 

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* Reisesegen (Hotel Michaelis) MI, 20.09.2017

 

 

 

Ausflug

Panorama Tower (Sitz des mdr), MO, 18.09.2017

Tower

Bootsfahrt durch die Kanäle („Klein-Venedig“) DI, 19.09.2017
und Abendessen im Ristorante Da Vito

Wasser

Boot

 

Schlussrunde

Wahl eines neuen Sprechers, Feedback, Planung 2019                 MI, 20.09.2017
Reisesegen

 

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  1. Kirche, Religion und Religiosität auf dem Hintergrund von Säkularisierung und Individualisierung
    Alexander Yendell (Universität Leipzig und Loughborough University)
    MO, 18.09.2017

Hätte Paulus heute noch eine Chance auf dem Areopag zu Leipzig?
Aber hatte er sie seinerzeit in Athen?

Die religionssoziologischen Ausführungen von Dr. Yendell legten unterschiedliche theoretische Positionen dar, deren Bezüge mit einer Vielzahl von Schaubildern verdeutlicht wurden.

Die Säkularisierungsthese

Säkularisierung ist ein Prozessbegriff, der nicht Säkularität meint, aber den Weg dorthin signalisiert. Dieser Prozess ist in Deutschland wie in ganz Westeuropa im Gange (Folie 37, s. nebenan>>>), wenn auch in West- und Ostdeutschland dabei noch unterschiedliche Kulturen vorhanden sind (Kultur der Konfessionslosigkeit vs. Kultur der Mitgliedschaft). Die Tendenz betrifft dabei sowohl die formale Mitgliedschaftsentwicklung als auch die Bedeutung der religiösen Praxis und der subjektiven Religiosität.

Historisch wird diese Entwicklung durch einen wachsenden Bedeutungsverlust des Religiösen im Zuge der Moderne (Folie 6-10) bedingt. Auf Folie 10 stellt er als Übersicht dar:

  • „Religiöse Symbole, Doktrinen und Institutionen verlieren an Bedeutung.
    (sozialer Bedeutungsverlust)
  • Verdrängung der Religion in private Arenen der Gesellschaft.
    (Privatisierung von Religion)
  • Rational-kausale Erklärungen ersetzen religiöse Deutung.
    (Desakralisierung der Welt)
  • Bewegung von einer traditional-religiösen zu einer modern- säkularen Gesellschaft
    (Wertewandel)
  • Hinwendung zum Alltagsleben und Abwendung von einer religiösen Lebensführung
    (Lebensstilwandel)
  • Ersatz von religiösen Überzeugungen durch nicht-religiöse Überzeugungen
    (Umformung des Wissens)“

These

 

 

 

Historisch wird diese Entwicklung durch einen wachsenden Bedeutungsverlust des Religiösen im Zuge der Moderne (Folie 6-10) bedingt. Auf Folie 10 stellt er als Übersicht dar:

  • „Religiöse Symbole, Doktrinen und Institutionen verlieren an Bedeutung. (sozialer Bedeutungsverlust)
  • Verdrängung der Religion in private Arenen der Gesellschaft. (Privatisierung von Religion)
  • Rational-kausale Erklärungen ersetzen religiöse Deutung. (Desakralisierung der Welt)
  • Bewegung von einer traditional-religiösen zu einer modern- säkularen Gesellschaft (Wertewandel)
  • Hinwendung zum Alltagsleben und Abwendung von einer religiösen Lebensführung (Lebensstilwandel)
  • Ersatz von religiösen Überzeugungen durch nicht-religiöse Überzeugungen (Umformung des Wissens)“

Die Individualisierungsthese

Der Säkularisierungsthese stellt er die Individualisierungsthese gegenüber (Folien 11-19). Der Prozess der zunehmenden Selbst- und abnehmender Fremdbestimmung hat den Verlust an Bedeutung der Kirchlichkeit zur Folge. Religiöse Formen gewinnen dabei Ausprägungen jenseits der Kirchen.

Auf Folie 19 heißt es:

  • „Unterschiedliche Überzeugungsstränge werden individuell neu kombiniertund zusammengesetzt
  • Sammlung unterschiedlicher religiöser Bestandteile = Bastelreligion, Patchwork-Religion
  • Umkombination religiöser Überzeugungssysteme
  • Entstehen synkretistischer Überzeugungssysteme
  • Prozesshaftigkeitder Individualisierung im Verlauf der (Post)Moderne
  • zunehmende Individualisierung allerdings ohne Festlegung, ob als Ersatz zu traditionaler Religiosität oder als Vorstufeder Säkularisierung“

Das Religiöse Marktmodell (Folien 20 – 67)

Im dritten Modell wird auf dem Hintergrund eines postulierten, fortbestehenden Bedürfnisses nach Religion die Entwicklungen, die in den anderen Modellen skizziert sind, als Pluralisierung des „Angebots“ gesehen. Die Antworten auf die Herausforderungen der Moderne werden nicht als Abkehr von Glauben und Religion betrachtet, sondern als Verlust der Vorherrschaft einer religiösen rsp. kirchlichen Verbundenheit. Auf dem „Markt“ sind viele „Anbieter“ und Formen und etliche, sehr individuelle Lösungen vorhanden.

Marktmodell a Marktmodell b

 

Die Formen des Religiösen sind in einem multidimensionalen Modell darstellbar, das er auf Folie 23 seines Vortrags wiedergibt:
[nach Charles Y. Glock, Über die Dimensionen der Religiosität, in: Matthes, J. (Hg.), Kirche und Gesellschaft. Einführung in die Religionssoziologie II, Reinbek 1969.]

 

 

 

 

 

Schaubild

In einer Vielzahl von Schaubildern illustriert Yendell die Verschiedenheit der möglichen Kombinationen der Dimensionen und deren Ausprägungen. Seine Sicht kommt abschließend wohl im Überblick auf Folie 68 zum Ausdruck, wo Yendell resümiert:

 

 

 

Resümee

 

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  1. Kirche in Leipzig“, Superintendent Martin Henker
    MO, 18.09.2017  

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht,
sondern der Kraft,
der Liebe und
der Besonnenheit.

(2. Tim. 1,7b)

 

Kirche Leipzig Logo

Superintendent Martin Henker stellt in seinem Referat die Kirche in Leipzig vor mit der Zuspitzung: „Volkskirche oder was?“, dem Motto der Tagung. Während Leipzig in dem zurückliegenden 1,5 Jahrzehnt eine kräftige Entwicklung mitgemacht hat, was Einwohnerzahl, wirtschaftliche Attraktivität und allgemeinem Aufschwung betrifft, stellt sich die kirchliche Lage wesentlich differenzierter dar.

Die Anzahl der Gemeindeglieder ist zwar gewachsen, wozu auch etliche „Rücksiedler“ beigetragen haben. Sie zählt heute rund 10% mehr Gemeindeglieder als zu Anfang des Jahrtausends. Die Präsenz in der „Fläche“ ist – was Kitasbetrifft – bemerkenswert hoch. Und die Diakonischen Einrichtungen (Diakonissenhaus, Erwerbslosenhilfe, breit gefächerte Diakonie mit 1.800 haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden, ökum. Flüchtlingshilfe) sind im Stadtganzen nicht weg zu denken.

Schaubild

 

Anderseits ist die Pfarrstellenanzahl seit 1995 auf weniger als der Hälfte gesunken, wenn auch einige profilierte Projektstellen dazu gekommen sind, wie Pax, die Jugendkirche oder die Orte, die in der Konferenz aufgesucht worden sind (DI, 19.09.2017) . Es wird aber erwartet, dass der Zuwachs an Mitgliedern in Leipzig der Entwicklung in der Landeskirche folgt, bei der der „Abschwung“ schon längst im Gange ist. Die Prognosen kündigen für das Jahr 2019 den Höhepunkt an; danach wird bis 2040 ein Rückgang der absoluten Zahlen von 12 % erwartet oder prozentual als Anteil an der Stadtbevölkerung um 2% – bei einer prognostisch wachsenden Stadt!

Der Einfluss derzeit ist beachtlich, was auch in den Ausführungen des Oberbürgermeisters Burkhard Jung deutlich wurde. Thomaskirche und St. Nikolai kommt eine bleibende herausgehobene Bedeutung zu als Stätte der Thomaner und von Johann Sebastian Bach bzw. als Kernzelle der Veränderungen im Übergang zum geeinten Deutschland und Ort der Friedensbewegung. Die mit Kirche assoziierten Felder stehen in der Öffentlichkeit: die Thomaner, das Evang. Schulzentrum, die ökum. getragene Flüchtlingshilfe und die weiteren vielfältigen diakonischen Initiativen (s. besonders Folie 24, aber auch Folie 11, wo auch KEL, die Kirchliche Erwerbsloseninitiative Leipzig, hingewiesen wird) und eine sich breit mitteilende Öffentlichkeitsarbeit (s. Folie 12). Die ökumenische Weite wird in den Veranstaltungen des Stadtökumenekreises (besondere Gottesdienste, „Bibel an einem Tag schreiben“ u. a. m.) deutlich; die Konferenz durfte die Gastfreundschaft der kath. Kirche dankbar annehmen in St. Trinitatis zu Gebet und Information.

Eine spannungsvolle Situationsbeschreibung ergibt sich aus alledem: die Zahlen sind weitgehend im Abschwung begriffen, die wahrgenommene Wirklichkeit zeigt aber eine große Lebendigkeit und einen nicht zu unterschätzenden Einfluss in der Stadt. Burkhard Jung, der Oberbürgermeister, formulierte in seinem Grußwort: „Die Stadt rechnet mit Ihnen!“ Kirche ist hier nicht abgeschrieben, muss sich aber Erwartungen stellen,die auch in denVorträgendes Dienstagnachmittags in der Baumwollspinnerei (Konversionsgelände) deutlich wurden (s. dort)

 

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  1. Herausforderungen der Stadtplanung in Leipzig bei der Umsteuerung vom Rückbau zum Ausbau
    Stefan Heinig, Dipl. Geogr./ Stadt Leipzig, Stadtentwicklungsplanung
    DI, 19.09.2017

Leipzig-Charta (2007):
„Benachteiligte Stadtquartiere erfüllen wichtige Funktionen im gesamtstädtischen Zusammenhang.
Daher soll ihnen verstärkt politische Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Der Impuls von Stefan Heinig machte deutlich, dass die Stadt nach bitteren Erfahrungen in der Nachwende-Zeit mit großer Kraft, aber auch mit großer Umsicht sich den Problemen der Kommune gestellt hat.

Die Zahlen zeigten kurz vor der Jahrtausendwende einen dramatischen Abbruch: die Stadt hatte mehr als 10% seiner Bewohnenden verloren und: der Verlust von Arbeitsplätzen war hoch besorgniserregend: die Anzahl fiel seit 1989 bis 1997 um rund 90(!)%. Damit ging ein exorbitanter Wohnungsleerstand bzw. Verfall von Wohnungen einher (etwa 20% des Bestands waren davon betroffen).

Die Stichworte einer „Gegenstrategie“ sind im Blick der Stadt:

  • Erhalt (Folie 9) von Stadthäusern und Altbauten im Eigentum für Selbstnutzer, Ausweisung von Erhaltungs- und Sanierungsgebieten, Aufstellung eines Gebäudesicherungsprogramms und die Zwischennutzung von Gebäuden (statt Verfall)
  • Umbau (Folie 10), z.B. Errichtung von Stadtteilparks, Zwischennutzung von Freiflächen, Rückbau von Wohngebäuden und die Gestaltung von Wasserläufen.
  • Integrierte Stadtentwicklung mit (s. Folie 10)
    Wirtschaftsförderung, Revitalisierung hist. Industriedenkmäler, Aufwertung sozialer Infrastruktur, Stärkung der Stadtteilzentren, Auswertung der Wasserwege, Neue Parks, Eigentumsbildung in Stadthäusern und historischen Wohngebäuden.
    Neue Gewerbegebiete wurden erschlossen, wobei auch der Zusammengang mit Landwirtschaft, grünstrukturierten Ausgleichsflächen und der Lebensqualität beachtet wurde. Die Innenstadt wurde besonderes Augenmerk gewidmet. Und ins Umland hinein wurde ein touristischer Gewässerverbund etabliert.
[]

Im Zuge dieser Bemühungen wurde das eingangs erwähnte Zitat formuliert aus der sog. „Leipzig-Charta“ für eine nachhaltige europäische Stadt.

Die Maßnahmen haben Wirkung gezeigt: Leipzig wächst. Die Stadt, die noch ums Jahr 2000 weniger als eine halbe Million Einwohner zählte, hat nun (2016) wieder rd. 580.00 Bewohner. In umfangreichen Recherchen, zahlreichen Gesprächen und Meetings wurde ein integriertes Entwicklungskonzept bis 2030 geschaffen, das sehr viele Aspekte zu berücksichtigen versucht. (s. Folie 20 mit dem „Zielbild“ der Entwicklungsplanung)

In diesem Konzept werden fachübergreifende Schwerpunktgebiete ausgewiesen, in der Diskussion über neue Arbeitswelten besonders der Digitalisierung große Aufmerksamkeit gewidmet, neue Stadtteile geplant und der sozialen Infrastruktur (bes. im Bereich von Kita und Schulen) ein hoher Stellenwert zugewiesen. Dazu werden die öffentlichen  Räume bewusst gestaltet, die Mobilität neu definiert, und neue Ansätze beim Flächenmanagement und ganzheitlichen Gebäudemanagement stadtteilorientiert entwickelt. Die Vision einer vielfältigen und mit vielen Einflüssen durchmischten Stadtgesellschaft bei hoher Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger entsteht. In diesem Konzept ist auch Platz, wo sich die Kirchen einbrin­gen können (Stichwort: Kirche für Stadtteile öffnen [eigene Anm.: Hier könnte sich auch eine Verbindung auftun zu dem Gedanken der „Lieux d’Eglise“, die wir in Zürich in den Thesen von Stadtpräsident Andreas Hurter vorgestellt bekommen haben.])– mit Impulsen und neuen Antworten auf Herausforderungen, die sie in der Stadt erkennen.

 


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  1. Spezielle Aspekte der Stadtplanung aus der Perspektive der seecon-Ingenieure
    Ronald Bönisch/ seecon-Ingenieure GmbH, Geschäftsführer
    DI, 19.09.2017

Zur Zeit ist die Anzahl der möglichen Zukünfte unendlich. Unsere Entscheidungen heute legen fest, welche davon Realitätwird. (S. 56)

Seecon ist ein Consultingunternehmen, das sich auf Wasserbau, Städtebau, Umweltplanung und neue Energien spezialisiert hat. Es vereinigt das Know-how von derzeit 40 Ingenieurinnen und Ingenieure und 10 techn. Mitarbeitenden, Frauenanteil: 56%, Durschnittsalter 37 Jahre. In Berlin gegründet ist die Gesellschaft mit ihrer stark interdisziplinären Arbeit seit 1993 in Leipzig. Es ist ein Unternehmen, das ein besonderes Augenmerk auf die Work-Life-Balance ihrer Beschäftigten achtet (flexible Arbeitszeiten, Familienfreundlichkeit, abgestimm­te Arbeitsorganisation, angepasst Informationspolitik und Personalentwicklung). Die organisatorischen Aufgaben „nach innen“ werden ebenso stark beachtet wie die Sorgfalt im „output“. Seecon nimmt gesellschaftliche Verantwortung wahr, z. B. auch für den Kindergarten an der Heilandskirche. Hier wie bei anderen Projekten geht es um Förderung von Kindern und Jugendlichen.

Für eine „smart city“ formuliert seecon 10 Strategiebausteine: Energie, Wasser, Abfall, Infrastruktur, Öffent­liche Sicherheit, Gesundheitswesen, Bildung Energieeffiziente Gebäude, Transport, Verwaltung. Mit hohem Aufwand werden Sachfragen umfassend nüchtern analysiert und z. T. ungewöhnliche Lösungsansätze im Rahmen ihrer multidimensionalen Kompetenzen formuliert. Sich ändernde Rahmenbedingungen verlieren ihren Schrecken, wenn Quartiere zukunftsfähig sind, weil sich diese Quartiere an Veränderungen anpassen lassen. Seecon diskutiert Beispiele solcher Quartiere (z. B. Altstadt Jerusalem, Meyer’sche Häuser) im Gegensatz zu Plattenbauarealen oder Mietskasernen und entwirft zu beachtende Aspekte in Zukunftskonzeptionen. Hierbei stellen sie umfassende Datenbanken vor (seecon DataHub, Folien 48ff), in denen alle städtischen Gebäude einheitlich erfasst werden.

Seecon ist überzeugt von einer „offenen Zukunft“, aber auch davon, dass die Entscheidung, welche der möglichen Zukünfte Realität werden wird, „heute“ getroffen wird.

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  1. Auftakt und Feedback

Beim Auftakt am Montag habensich die Teilnehmenden in kleinere Gruppen aufgeteilt. Der Rückblick auf die seit der letzten Konferenz in Zürich vergangenen zwei Jahre (nicht ausschließlich auf die Reformationsdekade) hat die Stadtkirchen etwas lebendig werden und erahnen lassen, was die Verantwortlichen an den jeweiligen Orten umtreibt. Der persönliche Gewinn aus den Gruppengesprächenstand dabei im Vordergrund; im Plenum wurden summarische Berichte ohne weitere Diskussion aus den Gruppen gegeben.

Im Verlauf der Konferenz waren alle für die äußerst sorgfältige Organisation der Tagung durch die Superintendentur dankbar. Die Offenheit und Gastfreundschaft der Leipziger waren wohltuend und haben zum Geist der Tagung und ihrer freundlichen Gestimmtheitwesentlich beigetragen.So ist es nicht verwunderlich, dass bei der Feedback-Rundeam Schlusstag der Dank an die gastgebende Kircheeinmütig ausgesprochen wurde.

Unter anderem wurde beim Feedbackangeregt:

  • Alternative Tagungsstruktur: Exkursionen am MO planen und danach im Tagungsverlauf intensivierend darauf mit theoretischen Aspekten Bezug nehmen und reflektieren
  • Ort nach Thema wählen und stringent verfolgen
  • Theologische Reflexionen (aus dem „off“, wie bei Prof. Grünberg)
  • Thema „Friedhof“ noch offen
  • Haben wir zu viel Erwartungen an „Stadtplanung“?
  • Interesse an dem, was eine Stadt interessiert
  • Kollegiales Gespräch ist zu intensivieren
  • Nicht bloß die High-Lights berichten, sondern auch: Wo geht es bei uns derzeit nicht recht weiter? Wobei hakt es bei uns:
  • Andererseits: kollegiale Beratung und Seminarstruktur würde Tagung überfordern
  • Themenvorschläge:
    Leitungshandeln reflektieren | Unterschiedliche Landeskirchen stärker beachten, Digitalisierung | Geld (wie viel Nähe haben wir, lassen wir zu, und: wie viel sollte es sein) | Globlaisierung |Tendenzen
  • Themensetzung stärker im Vorfeld vermitteln)

 

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  1. Schlussrunde:

Wahl der Sprecherin bzw. des Sprechers der Konferenz:

Die Konferenz bestimmt einmütig Pröpstin Uta Hirschler, Braunschweig, zur Sprecherin in der Nachfolge von Dekan Jürgen Renner, Kassel (geht Anfang 2019 in Ruhestand).

Tagungsorte der nächsten Konferenzen:

2019:   Die Versammlung begrüßt die Einladung von Dekan Dr. Achim Knecht nach Frankfurt.
15.  bis 18.09.2019

Thema in Frankfurt:
Es soll sich um Fragen von Geld und Wirtschaftdrehen, die Abhängigkeit der Kirchen davon und die kirchlichen Gestaltungsinteressen daran.

2021:   Die Versammlung begrüßt die Bereitschaft von Propst Dr. Karl-Heinrich Melzer nach Hamburgeinzuladen.

Thema in Hamburg:
Was machen wir mit unseren Gebäuden? Kirchliche und wirtschaftliche Nutzung
Ggf. auch Fragen im Umfeld der Digitalisierungsdebatte.

 

Otto Vogel, Karlsruhe
zu Walpurgis 2018

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